Trotz Streikwochenende der Schiedsrichter: Marlon absolviert seinen 75. Einsatz
Arthur Seiler, 18.05.2026
Die Saison ist noch nicht vorbei, da blickt unser Schiedsrichter Marlon Reißig auf seinen nunmehr 75. Einsatz als Unparteiischer zurück. Zahlen, die rekordverdächtig erscheinen und aus mehreren Perspektiven goldwert sind. Zum einen aus Vereinssicht: Wir sind sehr stolz darauf, mit Marlon einen so zuverlässigen, engagierten und ehrgeizigen Referee zu haben. René Trapp und Harry Schmidt waren in den vergangenen beiden Jahrzehnten die engagierten Vorreiter, mittlerweile vertritt Marlon alleine die blau-gelben Farben. Zum anderen kann sich Marlon auf diese Weise stets persönlich weiterentwickeln und vielerlei Leitungserfahrung sammeln.
Am vergangenen Sonntag, 17. Mai 2026, stand ihm in der Unterbreizbacher „Salz-Arena“ ein Saisonghighlight bevor. Gemeinsam mit Johannes Christian Peter und Fabian Thiel leitete er das A-Junioren-Kreispokalfinale zwischen dem FSV Eintracht Eisenach und dem FSV Waltershausen (3:6) und wurde anschließend von Martin Falk, Vorsitzender des Westthüringer Schiedsrichterausschusses, für seine Leistung ausgezeichnet. Das spätere Interview mit einer Pressevertreterin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) thematisierte den mit großer Öffentlichkeitswirksamkeit wahrgenommenen Schiedsrichterprotest des KFA Westthüringens an diesem Wochenende im Männerspielbetrieb. Johannes Christian Peter höchstpersönlich war Opfer des körperlichen Angriffes am vorletzten Wochenende im abgebrochenen Duell zwischen der SG EFC Ruhla 08 und dem FC Eisenach. Ein Großteil der lokalen Vereine gaben ihr dazu Statement ab, appellierten an „Fairness, Respekt und Zusammenhalt“. Ich möchte mich daher gerne etwas Konkreter dazu äußern:
Mit großer Überzeugung geht es darum, Respekt und Toleranz selbst vorzuleben. Jeder Akteur – egal ob Spieler, Betreuer und Zuschauer – leistet seinen eigenen Teil dazu und kann im Spannungsfeld „Fußball“ Emotionen ent- oder beschleunigen. Bevor also öffentlich appelliert wird, muss der erste Schritt die Selbstreflexion sein. Wie reagiere ich auf verbale Attacken? Was ist der Grund dahinter? Es kann und darf nicht passieren, dass immer wieder Grenzen überschritten werden (dürfen) – jeder Einzelne kann für sich etwas dagegen tun. Die unmittelbare Konsequenz obliegt aber immer noch dem Schiedsrichter und dem Sportgericht. Wie heißt es so schön? Wer diskutiert, verliert – dafür bleibt schließlich noch genug Zeit vor und nach den 90 Minuten.
Wir als Verein danken somit nicht nur Marlon, sondern jedem einzelnen Schiedsrichter, der es schafft, diplomatisch Konflikte zu lösen, lange Reisen auf sich zu nehmen und mit großer Sicherheit auch selbst viele Emotionen, Eindrücke und Fehler verarbeiten zu müssen. Fußball und Sport sind dafür da, um genau dies tun zu können; es muss allerdings in einem gesellschaftlich vertretbaren Rahmen geschehen. Freiheit heißt schließlich nicht, dass ich die Freiheit des Nächsten einschränken kann, egal aus welchem Land, von welchem Verein oder mit welcher Laune dieser Mensch kommt.
